Grußwort an den Ostermarsch in Gronau

Veröffentlicht am 15. April 2017

Am Karfreitag sind in Gronau 250 Menschen gegen die Urananreicherungsanlage, gegen Krieg und Atomwaffen auf die Straße gegangen. Der Ostermarsch wurde von ICAN Deutschland unterstützt. Bei der Abschlusskundgebung wurde auch ein Grußwort von ICAN verlesen (siehe unten). An der Demonstration beteiligten sich Menschen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

In Gronau steht die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. Dort wird Natururan für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet (angereichert). Der Urenco-Konzern, an dem u. a. die Energieunternehmen RWE und E.ON beteiligt sind, hat für die Anlage in Gronau eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Mit Uran aus Gronau werden Atomkraftwerke in der Bundesrepublik, aber auch in Belgien, Frankreich und anderswo betrieben. Die Urananreicherung in Gronau erfolgt mit dem Zentrifugenverfahren, das grundsätzlich auch zur Produktion von Uran für Atomwaffen geeignet ist. Auch das iranische und pakistanische Atomprogramm basiert auf dieser Zentrifugentechnik.

Im Aufruf zur Teilnahme an dem Gronauer Ostermarsch hieß es: „Die in Jülich erforschte und in Gronau angewandte Zentrifugentechnologie für die Urananreicherung ist eine massive Bedrohung für den Frieden. In der Urenco-Anlage in Almelo (NL) entwendete der pakistanische Wissenschaftler Dr. Khan in den 1970erJahren Baupläne und verhalf so Pakistan zur Atombombe. Von dort gelangten die Pläne auch an den Iran und Nordkorea.“

Das Grußwort von ICAN Deutschland in voller Länge:

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Kampf für eine Welt ohne Atomwaffen!

Gruselt’s euch auch, wenn ihr die Medien verfolgt? Wir haben einen US-Präsidenten Trump, der fragt, warum er Atomwaffen nicht einsetzen sollte; der das Atomwaffenarsenal mit tausend Milliarden Dollar aufrüsten will. Wir haben einen russischen Präsidenten Putin, der ebenfalls in das nukleare Wettrüsten einsteigen möchte. Und hierzulande ist es offenbar in Mode, eine deutsche oder europäische Atombombe zu fordern.

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit verhandeln rund 130 Staaten auf UN-Ebene über ein internationales Atomwaffenverbot. Dass die Verhandlungen überhaupt beschlossen wurden, ist schon eine kleine Revolution: Die atomwaffenfreien Staaten haben sich zusammengetan und in den Vereinten Nationen die mächtigen Atomwaffenstaaten einfach überstimmt! Jetzt stehen die Chancen gut, dass bald eine Lücke im Völkerrecht geschlossen wird: Biowaffen sind verboten, Chemiewaffen sind verboten, nur Atomwaffen sind noch immer erlaubt. Das muss sich dringend ändern!

Ende März fand die erste Verhandlungsrunde in New York statt. Deutschland war jedoch nicht dabei. Die Bundesregierung boykottiert die Verhandlungen – zusammen mit den USA, Russland und den meisten NATO-Staaten. Dabei tritt die Bundesregierung offiziell für eine atomwaffenfreie Welt ein. Wie passt das zusammen? Wie soll eine atomwaffenfreie Welt entstehen, wenn diese Massenvernichtungswaffen nicht geächtet und abgeschafft werden? Die traurige Antwort lautet: Die Bundesregierung stellt Bündnisloyalität und Machtpolitik über die Interessen der Umwelt und der Bevölkerung. Das wollen und das können wir nicht hinnehmen. Das Festhalten an Atomwaffen und den Privilegien der so genannten Großmächte darf nicht über das Leben und die Gesundheit von Millionen von Menschen gestellt werden!

Offiziell erklärt die Bundesregierung, ein Verbot bringe nichts, solange die Atommächte nicht mitverhandeln. Aber es ist doch keine Strategie, auf die Atomwaffenstaaten zu warten. Wer einen Nicht-Raucher-Raum möchte, verlässt sich schließlich auch nicht darauf, dass sich die Raucher schon darum kümmern.

Ein Verbot wäre ein erster Schritt auf dem Weg zur Abschaffung der Atomwaffen. Ein internationaler Vertrag würde diese Massenvernichtungswaffen ächten und könnte auch ganz praktische Folgen haben: So könnte es beispielsweise sein, dass die US-Atombomben von deutschem Boden abgezogen werden müssten, wenn Deutschland den Vertrag unterschriebe.

Als Friedens- und Anti-AKW-Bewegung müssen wir alles tun, damit Atomwaffen nie zum Einsatz kommen. Je mehr Hürden wir errichten, desto besser. Dazu gehört ein internationales Verbot genauso wie die Schließung der Urananreicherungsanlage in Gronau und aller anderen Atomanlagen.

Die Bundesregierung erzählt immer gerne, sie setze sich für eine Welt ohne Atomwaffen ein. Aber wenn es ernst wird, dann kneift sie. Egal, ob es um die Urananreicherungsanlage geht oder um die Teilnahme an internationalen Verhandlungen.

Wenn ihr da nicht tatenlos zusehen wollt, dann schreibt eine Protestmail an Außenminister Gabriel. Wir haben dazu eine Internetseite eingerichtet: www.nuclearban.de

Nur wenn genügend Druck aus der Gesellschaft kommt, werden wir die Bundesregierung zum Umdenken bewegen. Wir setzen auf euch! Vielen Dank!

 

Bildquelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V

Tags: , , , ,



  • Live Blog

  • Newsletter

    * = Benötigte Eingabe