Was meint Trump eigentlich mit Atomwaffentests?
Das bleibt unklar. Bei Atomwaffen wird grundsätzlich zwischen Atomsprengkopf und Trägersystem unterschieden. Als Trägersysteme gelten Flugzeuge zur Nutzung von Bomben oder Marschflugkörpern, bodengestützte Raketen mit einem oder mehreren Sprengköpfen oder U-Boote, welche mit Raketen und Marschflugkörpern ausgestattet sind.
International verbotene Atomwaffentests sind Tests von Sprengköpfen oder von Sprengkopf-Prototypen. Gleichzeitig können auch Trägersysteme selbst getestet werden. Diese Tests werden OHNE Atomsprengkopf von allen Atomwaffenstaaten, auch den USA, immer wieder durchgeführt.
Was ist der internationale Rahmen?
Der Kernwaffenteststopp-Vertrag (engl. Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, CTBT) ist eines der zentralen internationalen Abkommen zur Eindämmung und letztlichen Abschaffung von Atomwaffentests. Sein Ziel ist es, jede Form nuklearer Explosionen weltweit zu verbieten – ob zu militärischen oder zivilen Zwecken.
Obwohl der Vertrag bereits 1996 verabschiedet wurde, ist er bis heute nicht vollständig in Kraft getreten. Grund dafür ist, dass 44 Staaten mit Atomwaffen oder der technologischen Fähigkeit, solche zu entwickeln, ihn sowohl unterzeichnen als auch ratifizieren müssen. Drei Atomwaffenstaaten – Indien, Pakistan und Nordkorea – haben den Vertrag nie unterzeichnet. Staaten wie China, Iran und USA haben zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Und Russland hat 2023 die De-Ratifizierung des Vertrages angekündigt.
Trotz seines fehlenden Inkrafttretens gilt der CTBT weithin als internationaler Standard gegen Atomwaffentests. Über 300 Messstationen des globalen Überwachungsnetzes (IMS) sind heute aktiv und registrieren zuverlässig nukleare Explosionen.
Bis auf Nordkorea haben sich bislang alle Staaten de facto an das Testmoratorium gehalten – ein bemerkenswerter Erfolg internationaler Abrüstungsdiplomatie.
Wer ist für das Testen von US-Atomsprengköpfen zuständig?
Das wäre in den USA das Ministerium für Energie (Department of Energy, DoE). Dort ist auch die für die Sicherheit und Wartung der Atomsprengköpfe zuständige halbstaatliche Behörde NNSA (National Nuclear Security Administration) angesiedelt. Sie entwickelt und führt Computersimulationen durch, die echte Tests überflüssig machen sollen. Der letzte physische Atomwaffentest der USA wurde 1992 auf dem Nevada Testgelände in den USA durchgeführt.
Das Kriegsministerium der USA ist bislang „nur“ für die Testung von Trägersystemen wie Raketen, Bomben, Flugzeugen oder Marschflugkörpern – den Trägersystemen – zuständig.
Haben Russland und China Atomwaffen getestet?
Die letzten physischen Atomwaffentests beider Staaten fanden in den 1990ern statt. Beide haben in der jüngeren Vergangenheit, wie andere auch, Trägersysteme getestet. Auf jüngere, explosive Tests von Atomsprengköpfen gibt es keinen Hinweis. Das haben auch US-amerikanische Quellen wie z.B. der Chef der CIA, John Ratcliffe, und der designierte Chef aller US-Atomwaffen (STRATCOM), Richard A. Corell, bestätigt. Dazu ist auch international ein Netzwerk von Sensoren aufgebaut worden, das keine Tests registriert hat.
Es gibt aber eine Schwierigkeit. Die USA, Russland und China führen weiterhin Experimente mit Waffenmaterial durch. Nach Lesart der USA erlaubt der Teststoppvertrag sogenannte “subkritische Tests”, also Tests, die keine nukleare Kettenreaktion auslösen. In der ersten Amtszeit von Trump haben die USA ihre Gegenspieler Russland und China verdächtigt, Experimente auch als „superkritische Tests“ – dh. Tests mit einer (begrenzten, aber vorhandenen) Kettenreaktion durchgeführt zu haben. Genau wie subkritische Tests sind superkritische Experimente in der Regel zu schwach, um mit dem Sensornetzwerk nachgewiesen werden zu können. Daher lassen sich die Anschuldigungen der USA nicht unabhängig prüfen.
Welche Trägersysteme hat Russland getestet?
Russland hat im Oktober 2025 zwei neuartige nukleare Trägersysteme testen lassen: Burewestnik, einen nuklear angetriebenen Marschflugkörper der angeblich viele Stunden in der Luft bleiben und großen Entfernungen zurücklegen kann. Und Poseidon, einen Langstreckentorpedo welcher mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden kann und an Küstenstädten durch die nukleare Explosion verursachte radioaktive Riesenwellen auslösen können soll.
Welche Staaten haben bisher Atomwaffen getestet?
Alle neun Atomwaffenstaaten, außer Israel und dem ehemaligen Atomwaffenstaat Südafrika, haben offiziell Tests durchgeführt. Der bislang letzte bekannte Test eines Atomsprengkopfs wurde 2017 von Nordkorea durchgeführt.
Seit 1945 haben Staaten weltweit über 2.000 Atomwaffentests vorgenommen – mit teils gravierenden gesundheitlichen und ökologischen Folgen in den betroffenen Regionen.
Gibt es in den USA schon länger Forderungen nach neuen Atomtests?
Ja. Die Idee einer Rückkehr zu US-Atomtests ist nicht neu: Im berüchtigten Project 2025, dem Plan zur Umgestaltung des politischen Systems der USA zugunsten einer rechtsgerichteten Politik, wird u.a. gefordert, die Ratifizierung des Kernwaffenteststopp-Vertrags abzulehnen und die Bereitschaft zu signalisieren, als Reaktion auf gegnerische nukleare Entwicklungen eigene Atomtests durchzuführen. Forderungen, die in jüngerer Zeit aus nationalistisch-konservativen Kreisen aber auch dem engsten Kreis des US-Präsidenten wiederholt wurden.
Was ist seit Trumps jüngsten Ankündigungen passiert?
Nach der Ankündigung von Präs.Trump hat der Minister des US Energieministeriums, Wright, der Chef des CIA, John Ratcliffe, der designierte Chef aller USA Atomwaffen (STRATCOM), Richard A. Corell, versichert, es seien keine nuklearen Explosionen geplant.
Russlands Präsident Putin ordnete am 5.11.2025 an, falls die USA wirklich Atomtests durchführen, ebenfalls in Russland solche Tests durchzuführen und Vorbereitungen dafür zu treffen.