Frankfurt am Main – Deutsche Banken investieren Milliarden in die Hersteller von Atomwaffen.
Nuklearwaffen werden nicht nur von Regierungen produziert. Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, die an der Herstellung der Schlüsselkomponenten für Atomarsenale beteiligt sind. Diese Unternehmen arbeiten zusammen, um verschiedene Waffenteile zu entwickeln und herzustellen. Diese werden dann in Anlagen montiert, die meist von Regierungen der Atomwaffenstaaten oder anderen Unternehmen betrieben werden. Neueste Recherchen zeigen, dass es in Deutschland sieben Finanzinstitute gibt, die entweder durch Aktienbesitz, Anleihen oder Investmentbanking Verbindungen zur Atomwaffenindustrie haben. Sie sind verknüpft mit Unternehmen, die Schlüsselteile für die Nukleararsenale von Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten herstellen.
Wer investiert?
Die Deutsche Bank verfügt mit weitem Abstand über das größte Geldvolumen, das mit der Atomwaffenindustrie verbunden ist: Mehr als 7,7 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Krediten und Zeichnungen an neun verschiedene Kernwaffenproduzenten (Airbus, BAE Systems, Boeing, Honeywell, L3 Harris, Leonardo, Rolls-Royce, RTX und Thales). Zudem besitzt die Bank etwa 149 Millionen USDollar an Aktien von Leidos. Dieses Unternehmen betreibt die US-Nuklearanlage, die Tritium für Kernwaffen produziert sowie das Minuteman III Interkontinentalraketen-Programm der USA unterstützt.
Die Commerzbank ist mit über 2 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Krediten ebenfalls stark in der Atombranche involviert. Sie vergibt Kredite an Airbus, BAE, Boeing, Leonardo, Rolls-Royce und Thales. Die anderen fünf Finanzinstitute investieren derzeit jeweils weniger als 1 Milliarde US-Dollar in die Atomwaffenindustrie. Die Deka Gruppe hält ausstehende Aktien/ Anleihen in Airbus, welche auf etwa 674 Millionen US-Dollar geschätzt werden. BayernLB leiht Geld an Airbus, Honeywell, Boeing und Rolls-Royce, während Allianz bedeutende Anteile an Babcock International, Fluor, Huntington Ingalls Industries, Jacobs Solutions und Rolls-Royce hält. Die DZ Bank ist Teil einer Gruppe von Investoren, die Geld an Airbus verleihen, ebenso wie die KFW.
Was bauen sie?
Deutsche Investoren unterstützen Unternehmen, die am Bau von Schlüsselkomponenten von Atomwaffen involviert sind. Kein einzelnes Unternehmen baut eine gesamte Nuklearwaffe. Die Nuklearsprengköpfe werden von Unternehmen wie Honeywell und Leidos hergestellt. Die Flugkörper, die diese tragen sollen, werden von Airbus, BAE Systems, Boeing, RTX und Thales gebaut. Die mit diesen Raketen bewaffneten Atom U-Boote besitzen Komponenten, die von Airbus, BAE Systems, Jacobs, Rolls-Royce, RTX und Thales gefertigt werden.
Sorgfaltspflicht bei Investitionen
Investitionen sind Entscheidungen, die in der Regel auf einer Risiko-Nutzen-Abwägung basieren. Die Beteiligung an den Risiken eines nuklearen Wettrüstens ist ein legitimer Grund, Investitionen in Unternehmen zu vermeiden, die zur Entwicklung und Herstellung von Atomwaffen beitragen. Es gibt auch andere Gründe, solche Investitionen zu vermeiden. Mehrere Unternehmen der Atomwaffenindustrie weisen eine Unternehmens-Historie auf, die sie zu weniger idealen Investitionskandidaten macht. Beispielsweise bekannte sich Boeing – an welche die Deutsche Bank, Commerzbank und BayernLB Geld geliehen hatten – im Jahr 2024 der kriminellen Täuschung im Zusammenhang mit zwei tödlichen Flugzeugabstürzen schuldig. RTX, das einen ausstehenden Kredit bei der Deutschen Bank hat, erklärte sich bereit, 950 Millionen Dollar zur Beilegung von Betrugs- und Korruptionsfällen in den Vereinigten Staaten zu zahlen.
Bestehende Richtlinien
Einige der hier genannten Investoren haben Richtlinien, die erweitert werden könnten, um Unternehmen der Atomwaffenindustrie auszuschließen. Die Deutsche Bank verfügt über eine Richtlinie, die eine verstärkte Sorgfaltspflicht vorschreibt, um Geschäftsbeziehungen mit Organisationen zu vermeiden, die direkt an umstrittenen Waffen beteiligt sind. Darunter fallen jene Waffen, die “unangemessenes Leid verursachen und unverhältnismäßige humanitäre Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben“. Die Commerzbank erklärt in ihrer Richtlinie, dass sie keine Geschäftsbeziehungen mit Waffenherstellern eingeht, die verbotene und untersagte Waffen produzieren. Ihre Liste umfasst Waffen mit abgereichertem Uran, jedoch keine Nuklearwaffen. Die im April 2025 überarbeitete Richtlinie besagt, dass die Commerzbank „Rüstungsunternehmen finanziert, die Waffen und Verteidigungssysteme für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten wie die Europäische Union herstellen“. Die Bank erkennt den potenziellen Reputationsschaden an, den einige dieser Investitionen mit sich bringen könnten, und unterstellt die Aufsicht der Abteilung für Reputationsrisikomanagement.
Die Deka Gruppe verlangt eine spezielle Genehmigung des Vorstands für alle „Transaktionen im Zusammenhang mit Waffen, die nach internationalem Recht verboten sind“, einschließlich derjenigen, die sich auf Nuklearsprengköpfe beziehen.
Die Rüstungs- und Waffenrichtlinie der BayernLB Gruppe aus November 2024 betrachtet ein Unternehmen nur dann als Waffenhersteller, wenn mehr als 20 Prozent des jährlichen Umsatzes aus der Waffenproduktion stammen. Die Richtlinie besagt, dass „die Finanzierung für umstrittene oder verbotene Waffen und deren Schlüsselkomponenten ausgeschlossen ist“ – einschließlich Nuklearwaffen. Da jedoch Airbus, Honeywell, Boeing und Rolls-Royce weniger als 20 Prozent ihres Jahresumsatzes aus der Waffenproduktion erzielen, fallen sie nicht unter die Regelung.
Im April 2025 änderte Allianz die Anwendung einiger ihrer Richtlinien für den Verteidigungssektor, um nun auch die Finanzierung von Unternehmen zu ermöglichen, die
an der Produktion von Nuklearwaffen für Länder innerhalb des NVV beteiligt sind.
Auswirkungen des Atomwaffenverbots
Der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen hat eine neue internationale Norm geschaffen, die stigmatisierend auf Nuklearwaffen und die Unternehmen, die sie produzieren, wirkt. Immer mehr Institutionen, die Umwelt-, Sozial und Governance-Kriterien ernst nehmen, entscheiden sich dafür, sich von atomaren und anderen verbotenen Waffen abzuwenden. Dies zeigt sich an dem Rückgang von fast 25 Prozent der Investor:innen seit Inkrafttreten des Vertrags im Jahr 2021.
Deutsche Finanzinstitute, die ihre eigenen Richtlinien ernst nehmen, sollten daran erinnert werden, dass Nuklearwaffen nach internationalem Recht verboten sind und darauf ausgelegt sind, diskriminierende und generationenübergreifende Schäden zu verursachen. Die Unternehmen der Nuklearindustrie sind ein risikoreiches Geschäft, und der deutsche Finanzsektor sollte sich aus allen Investitions- und Finanzierungsbeziehungen zurückziehen.
Susi Snyder, ICAN Genf
QUELLEN
ICAN/Pax (2025): At Great Cost. Don’t Bank on the Bomb Report 2024, https://www.dontbankonthebomb.com/at-great-cost/
Deutsche Bank (23.05.2018): Deutsche Bank upgrades its Policy on Controversial Weapons, https://www. db.com/news/detail/20180523-deutsche-bank-upgrades-its-policy-on-controversial-weapons
Commerzbank (2025): Acting responsibly, growing sustainably. ESG FRAMEWORK,
https://www.commerzbank.de/ms/documents/en/esg-framework-pdf.pdf
Deka Group (2024): Annual Report 2024, https://www.deka.de/site/dekade_deka-gruppe_site/get/ params_E1033442893/22717851/DekaGroup_Annual_Report_2024_EN.pdf
BayernLB (2024): Guiding Principles for Transformation, https://www.bayernlb.com/internet/media/en/ir/ downloads_1/verantwortung_1/positionen_und_richtlinien/Leitplanken_der_Transformation.pdf
Allianz (12.05.2025): Defence: Your questions answered, https://www.allianzgi.com/en/insights/sustainability-blog/defence-your-questions-answered
Allianz (2024): Global Investors Exclusion Policy Statement, https://www.allianzgi.com/en/sustainability/ policies-and-reporting
