Eurofighter Typhoon EF2000 der deutschen Luftwaffe. Foto: Julian Herzog, CC 4.0
Eurofighter Typhoon EF2000 der deutschen Luftwaffe. Foto: Julian Herzog, CC 4.0

Atomwaffen-Einsätze mit deutschen Eurofightern?

Friedensgruppen gegen Kauf von neuen Flugzeugen für den Abwurf von Atombomben

Das deutsche Verteidigungsministerium hat die USA laut Reuters offiziell um Klärung gebeten, ob der Eurofighter-Kampfjet künftig Atomwaffen einsetzen darf. Die Friedensnobelpreisträger ICAN und IPPNW fordern hingegen den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland und eine Beendigung der aus ihrer Sicht völkerrechtswidrigen Praxis der „nuklearen Teilhabe“.

Bereits jetzt üben deutsche Piloten den Einsatz von Atomwaffen mit Tornado-Flugzeugen. Die Atomwaffen sind auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz gelagert und werden Deutschland für den Ernstfall von den USA zur Verfügung gestellt. Demnächst müssen die veralteten Tornados außer Betrieb genommen werden, bei konventionellen Einsätzen wurden sie bereits teilweise von Eurofightern ersetzt. Der Eurofighter – der von Airbus, BAE und Leonardo gebaut wurde – ist jedoch nicht von den USA für nukleare Einsätze „zertifiziert“, im Gegensatz zu den US-Kampfjets F35, F-15E und F/A-18E/F von Lockheed Martin bzw. Boeing. Das deutsche Verteidigungsministerium muss entscheiden, welche Flugzeuge die nukleare Aufgabe übernehmen sollen – oder die Atomwaffen abziehen lassen.

Xanthe Hall, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland und Abrüstungsreferentin der IPPNW sagt: „Weil Deutschland an der nuklearen Abschreckung festhält, ist die Bundesregierung wohl gezwungen, einen neuen teuren Flugzeugtyp von den USA zu kaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA einem europäischen Konkurrenten diese Zertifizierung geben, geht gegen Null. Es gibt aber eine bessere Alternative: Deutschland sollte endlich aus der nuklearen Teilhabe ausstiegen und dafür sorgen, dass die US-Atombomben aus Büchel verschwinden. Nur so kann die Bundesregierung glaubwürdig für eine atomwaffenfreie Welt eintreten.“

Der Eurofighter-Chef Volker Paltzo sagte bereits im April dieses Jahres, dass er nicht davon ausgehe, dass die USA den Eurofighter so zertifizieren würden. Allerdings sei er zuversichtlich, dass der Eurofighter umgerüstet werden und dann auch Atomwaffen einsetzen könne. Auch US-Regierungsquellen zeigen sich skeptisch, dass das Pentagon den Eurofighter für den nuklearen Einsatz zertifizieren würde; und falls doch, könne diese bis zu 10 Jahre dauern.

Wenn Deutschland weiterhin im Ernstfall für die NATO Atomwaffen einsetzen will, muss binnen kurzer Zeit ein neuer Atomwaffenträger bestellt werden. Bald werden die neuen B-61-12-Atomwaffen in Deutschland stationiert, die mit den alten Tornado-Flugzeugen zwar für ein paar Jahre weiter eingesetzt werden können. Diese verfügen jedoch nicht über die neuen Lenkmöglichkeiten. ICAN und IPPNW fordern die Bundesregierung auf, keine neuen Atomwaffen in Deutschland stationieren zu lassen und keine neuen Flugzeuge zu kaufen, um Atomwaffen einsetzen zu können.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes wurde der Eurofighter-Chef Volker Paltzo mit einer Aussage zur „Stealth“-Fähigkeit des Eurofighters wiedergegeben, die nicht korrekt war. Dies und der Name des Eurofighter-Chefs wurden korrigiert.