Los Alamos National Laboratory, USA, Fotoquelle: Wikipedia
Los Alamos National Laboratory, USA, Foto: Wikipedia

Profite und Gefahren in Atomwaffenlaboren

Während die Mehrheit der Staaten sich in den Vereinten Nationen zusammenfinden, um über einen Atomwaffenverbotsvertrag zu verhandeln, hat das Center for Public Integrity („Zentrum für Öffentliche Unversehrtheit“), Teile eines neuen Berichtes über Arbeitsgefahren in US-amerikanischen Atomwaffenlaboren veröffentlicht. Der am Montag veröffentlichte Teil deckt eine „Litanei an Missgeschicken“ an den acht Standorten auf.

Dazu gehört, dass Arbeiter radioaktive Partikel einatmeten, elektrische Schocks und Verbrennungen durch Säure oder Feuer erlitten, mit giftigen Chemikalien in Berührung kamen oder von Trümmern explodierter Metallbehälter geschnitten wurden. Das Los Alamos Nationallabor, wo Plutoniumgehäuse für Atomsprengköpfe hergestellt werden, hat „im vergangenen Jahr dreimal mehr“ als alle anderen 23 Atomanlagen des Landes zusammen „gegen die Regeln der Atomindustrie zum Schutz vor gefährlichen Unfällen“ verstoßen.

Privatunternehmen betreiben die Anlage in Los Alamos, sowie andere Atomwaffenlabore. Diese Gesellschaften machen im Jahr zwischen 15 und 60 Millionen US-Dollar reinen Profit. Die Herstellung von Atomwaffen wird finanziell als „extrem wenig risikobelastet“ angesehen. „Vertragsnehmer tätigen ‚praktisch keine finanzielle Investition’, beteiligen sich lediglich mit wenig Führungskräften, profitieren von legalem Schadensersatz und haben ‚relativ geringe’ Kosten“, so geht es aus dem Bericht hervor.

Gleichzeitig werden Sicherheitsstandards missachtet sowie Arbeiter und lokale Gemeinschaften Risiken ausgesetzt. Die Sicherheitsdefizite in Los Alamos waren dauerhaft so gravierend, dass die Nationale Atomsicherheitsbehörde NNSA vor zwei Jahren den Betreiberfirmen mit einer Geldstrafe von mehr als einer halben Million US-Dollar drohte. Allerdings „beschloss der Behördenleiter die Strafe am Ende doch nicht zu verhängen, was das Klima der Straflosigkeit veranschaulicht, wie es Kritiker nennen“.

Bevor Los Alamos die Herstellung von Plutoniumbestandteilen für US-amerikanische Atomwaffen übernahm, war Rocky Flats, nahe Denver Colorado, die einzige Anlage des Landes für die Herstellung von Plutoniumgehäusen. In dieser Anlage, welche ebenfalls von mehreren Unternehmen betrieben wurde, gab es zahlreiche Brände, darunter in den Jahren 1957 und 1969 zwei schwerwiegende Unfälle, in denen Plutonium mit im Spiel war; Lagerung und Vergrabung von radioaktivem Material in auslaufenden Fässern und unbeschichteten Gräben, wodurch Land und Grundwasser verschmutzt wurden; radioaktive Belastung nahegelegener Bäche und Stauseen; Plutonium in Luftkanälen von Gebäuden, „verschwundenes“ Plutonium und Räume, die als zu verstrahlt und zum Betreten zu gefährlich angesehen werden sowie die Verbrennung von plutoniumverschmutzem Abfall – was eventuell die Aufmerksamkeit des FBIs erregt und zu einer Durchsuchung führte.

Im Jahre 1989 hat Rocky Flats den Betrieb geschlossen, die Gebäude wurden abgerissen und viel radioaktives Material wurde von dem Gelände entfernt, dennoch ist bis heute noch viel geblieben. Die ersten zwei Meter unter der Erdoberfläche wurden praktisch von der Verstrahlung „gesäubert“, darunter wurden jedoch jegliche Mengen Plutonium und anderes radioaktives und toxisches Material auf dem Gelände gelassen. Die Fläche, auf der die ehemalige Anlage steht, verschiebt sich häufig aufgrund der Arbeit kleiner grabender Tiere. Ökologen haben 22 solcher Spezies in Rocky Flats festgestellt. Diese Tiere spielen eine wichtige Rolle in der Umverteilung und weiteren Verbreitung radioaktiv kontaminierten Materials, welches weiterhin im Boden vorzufinden ist. Dennoch ist 2017 die Eröffnung der neugetauften Rocky Flats Wildtier-Zuflucht geplant, zu der auch ein Besucherzentrum, Picknickbereiche und kilometerlange Wander-, Fahrrad- und Reitwege gehören.

Diese Fälle zeigen eindeutig, dass wenige Unternehmen durch die Herstellung „der Bombe“ Profite machen, während ihre Arbeiter und das Umfeld unter akuten, gesundheitlichen Kosten leiden. Derweil lebt der Rest der Welt mit dem Risiko einer ökologischen und humanitären Katastrophe.

An dieser Stelle kommt der Verbotsvertrag ins Spiel.

Das Verbot von Atomwaffen ist eine Gefahr für den Atomwaffenkomplex. Einige der gesetzlichen Verbote aus dem Vertragsentwurf – wie das der Unterstützung, der Herstellung, des Testens und natürlich des Besitzes von Atomwaffen, wird die wirtschaftliche, politische und soziale Zukunftsfähigkeit dieser Konzerne direkt beeinflussen. Ein explizites Verbot der Finanzierung von Atomwaffen in Form von Unterstützung wäre vor allem im Hinblick auf den Versuch bedeutend, die derzeit führenden Unternehmen in Atomwaffenlaboren der USA und vergleichbare Akteure in anderen Ländern unter Druck zu setzen. Die Wirtschaftlichkeit der Herstellung von Massenvernichtungswaffen zu beenden, ist wesentlich um Programme zur „Modernisierung“ zu verhindern und Human- und Umweltressourcen weg von Waffen und hin zur Erfüllung sozialer Bedürfnisse zu führen.

Uns bleiben noch wenige Tage, um bis zum 7. Juli einen Verbotsvertrag zu erreichen. Den physischen, wirtschaftlichen und operationellen Kontext in der Welt im Auge zu behalten ist wichtig, um innerhalb dieses Verhandlungssaals einen effektiven Vertrag zu entwerfen.

Ray Acheson, Reaching Critical Will, in der Nuclear Ban Daily. Vielen Dank an Kathleen Sullivan für ihren Beitrag zu diesem Artikel. Aus dem Englischen übersetzt von Estelle Zirn.