Protest gegen Urananreicherung vor dem RWE-Tower in Essen.

RWE will weiter Uran anreichern

Technologie ist zur Herstellung von atomwaffenfähigem Material geeignet – Anti-Atom-Initiativen und Verbände fordern sofortige Schließung der Uranfabrik in Gronau

33 Jahre nach der Inbetriebnahme der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau hat im RWE-Tower in Essen erstmalig ein Gespräch zwischen RWE, dem Geschäftsführer von Urenco Deutschland und Anti-Atomkraft-Initiativen sowie Umweltverbänden stattgefunden. Auch ein Vertreter von ICAN Deutschland war dabei. In scharfer Form kritisieren die Verbände und Initiativen, dass die RWE-Spitze am unbefristeten Weiterbetrieb der umstrittenen Uranfabrik in Gronau festhält.

Obwohl die mögliche Verknüpfung mit dem US-Atomwaffenprogramm weiter auf der Tagesordnung steht, reagierten die Vertreter von RWE und Urenco Gronau mit angeblichem Nichtwissen auf die Frage nach den öffentlich zugänglichen Vertragsvereinbarungen zwischen dem Urenco-Konzern und der TVA (Tennessee-Valley-Behörde), das seine Tritium-Erzeugung jetzt auf zwei amerikanische Atomkraftwerke ausweiten wird. Tritium wird für den Sprengkörper bei Atomwaffen eingesetzt. Bezüglich der Einhaltung von internationalen Kontrollverträgen (Atomwaffensperrvertrag und Vertrag von Almelo) sahen RWE und Urenco keine eigene Verantwortung. Das läge in der Verantwortung der Politik und der Atomaufsichtsbehörden.

Dr. med. Angelika Claußen, Europavorsitzende der IPPNW: „Ein solches Maß an systematischer Verantwortungslosigkeit auf der Seite von RWE entsetzt mich. Da frage ich mich: Schüttelt RWE nicht ebenso seine Verantwortung bezüglich seiner Verschmutzungspolitik in Sachen Kohle und Klimawandel ab?“

Keine Verantwortung für Menschenrechte?

Laufende Gespräche über einen möglichen Verkauf der Urenco mit einem US-japanischem Konsortium wurden dementiert. Auch gäbe es keinerlei Gespräche mit der Bundesregierung über eine mögliche Entschädigung im Falle einer Stilllegung der Anlage in Gronau.

Bei der Frage nach Verantwortung des Unternehmens für die Lieferkette und die Einhaltung der Menschenrechte beim Abbau und der Verarbeitung des Urans, sahen die RWE-Vertreter keine Konzernverantwortung. Günter Hermeyer von uranium network: „Jedes Unternehmen hat eine eigene Verantwortung innerhalb der Lieferkette, so muss auch Urenco dafür sorgen, dass die Herkunft des Urans eindeutig offen gelegt wird und Land-, Menschen- und Arbeitnehmerrechte durchgesetzt werden.“

Der Geschäftsführer von Urenco Deutschland beantwortete einige Detailfragen zur Gronauer Anlage und zur seit Jahren ungenutzten Uranoxid-Halle, die nach seiner Aussage vermutlich auch in den kommenden fünf Jahren nicht in Betrieb genommen wird.

Bezüglich der Fragen nach dem zu entsorgenden Atommüll aus Gronau hieß es, dass Urenco abgereichertes Uranhexafluorid  auf seinem Gelände erneut zur Urananreicherung benutze, falls der Kunde nicht über eigene Uranvorräte verfüge.

Weiter im Gespräch bleiben

Die erschreckenden Nachrichten über gefundene Waffenteile im Urenco Werk Gronau, sorgten nur wenige Stunden nach dem Gespräch in Essen für Irritationen bei den Atomkraftgegnern. Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf: „Wir fühlen uns verschaukelt, da wir davon ausgehen, dass die Vertreter von RWE und Urenco von dem Vorfall wussten und ihn bewusst verschwiegen haben. Wir hatten das Gefühl, dass das auch für andere Themen des Gesprächs galt.“

„Obwohl RWE bei den Fragen abblockte und nicht ansatzweise kooperativ war, wollen die Initiativen und Verbände mit dem Konzern im Gespräch bleiben. Wir haben einen Fragenkatalog mit 25 Fragen erstellt und warten auf die zugesagte Beantwortung. Unsere Forderungen nach sofortiger Stilllegung der UAA und der RWE-Atomkraftwerke Lingen und Gundremmingen bleiben bestehen“, so Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.